118. Tag – Blokhus – Nørre Vorupør

Nachdem ich gestern denn Beitrag geschrieben habe, dachte ich, ich genehmige mir noch ein Bier in einer Bar. Die Bar war leer bis auf zwei Italiener. So kam ich mit ihnen ins Gespräch, obwohl Gespräch vielleicht übertrieben ist. Ihr Englisch war eher knapp und mein Italienisch beschränkt sich auf ein paar Wörter. Trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen, war es sehr lustig. Nachdem die Bar geschlossen hatte, luden sie mich in ihr Restaurant ein und tischten mir, neben Bier und Wein, alles mögliche an italienischen Spezialitäten auf. Ein richtiges Festmahl. Nachdem ich etwas frittiertes ass und fragte was es ist, sagte er „Pollo“ und zeigte auf sein Herz. Jetzt weiss ich also, dass mir frittiertes Hühnerherz schmeckt. Als ich mich auf denn Weg zurück zum Zelt machte bekam ich noch eine Tüte mit Proviant für denn nächsten Tag. Selbstgebackenes Brot, Tomaten, Äpfel und wahrscheinliches ein halbes Kilo Rohschinken. Unglaublich auf was für nette Menschen man trifft.

Nachdem das Schlafgehen ein bisschen verschoben wurde, ging es heute auch später los. Ich habe aber ein unglaubliches Wetterglück hier in Dänemark. Man hat mir gesagt, dass der Sommer kalt und verregnet war und dies die erste richtige Schönwetterperiode ist und das Mitte September.

117. Tag – Kristianssand – Blokhus

Wow, ich bin zurück im Sommer, aber so richtig! Sonne, Hitze, Strand, baden im Meer, Touristen, Sonnenbrand. Alles inklusive.

Ich nahm am Morgen die Fähre von Norwegen nach Dänemark. Mein Velo war mal wieder mehr als verloren auf der riesigen Fähre, da ich auf das Lastwagendeck eingeteilt wurde. Angekommen in Hirtshals traf mich gleich die Hitze. In Norwegen war für mich 16-18 Grad schon sehr sommerlich. Hier in Dänemark sind es aber bis zu 25 Grad. Das bin ich mir nichr mehr gewohnt. Ich geniesse es aber sehr. Vorallem auch die Wärme am Abend, in Norwegen wurde es nach dem Sonnenuntergang schnell kalt.

Wie meistens folgte ich dem Veloweg auf meinem GPS. Als der mich aber direkt an denn Strand führte war ich ziemlich erstaunt und wollte schon umkehren, weil man Velo im Sand, mit dem schweren Gepäck praktisch nicht fahrbar ist. Ich stoss meine Velo trotzdem noch ganz nach vorne, weil ich ein Foto machen wollte. Der Strand ist ein Autostrand, dass heisst man darf mit dem Auto an und dem Strand entlang fahren. Ich wusste nicht, dass es so etwas in Europa gibt. Hier in Dänemark wird es aber fleissig genutzt. Am Wasser entlang wurde dann der Sand härter und ich konnte problemlos fahren. So fuhr ich kilometerweise dem Strand entlang und bestaunte die hunderte von Autos und die Autofahrer bestaunten mich. Keine Ahnung wer mehr überrascht war.

Am Abend war ich mal wieder auf einem Campingplatz und genoss die Dusche. Herrlich. Auch waschen konnte ich, was bitter nötig war. So riecht mein Zelt mit der frischen gewaschenen Kleidern mal wieder richtig gut. Wahrscheinlich hält es aber nicht sehr lange bei der Hitze…

Ach ja, und Velofahren ist ein Traum. Alles flach, überall extra Wege und super schöne Landschaft. Obwohl, das mit dem Flach habe ich wahrscheinlich nach ein paar Tagen auch gesehen, die Abwechslung machts.

116. Tag – Hæåk – Kristianssand

Das hätte ich gestern noch locker geschafft. Von meinem Schlafplatz ging es fast nur noch runter nach Lyngdal, eine wunderschöne Abfahrt, wie ich es mir die letzten Tage immer gewünscht habe. Nach der Abfahrt ging es aber auch gleich wieder rauf und ich stellte mich schon auf einen ähnlich anstrengenden Tag wie gestern ein. Glücklicherweise wurden die Berge ab dem Mittag wirklich flacher und ich kam zügiger vorwärts. Das Ziel war es Kristianssand zu erreichen und Morgen um 08:00 Uhr die Fähre nach Hirtshals in Dänemark zu nehmen.

Der anvisierte Campingplatz stellt sich als verlassen heraus, es wurde also wieder nichts mit der warmen Dusche am Abend. Dafür hatte ich denn ganzen Campingplatz für mich alleine und das kostenlos.

115. Tag – Egersund – Hæåk

Ich naiver Narr habe tatsächlich gedacht, dass an der Küste entlang das Velofahren leichter wird, da die Strassen flacher sind. Naja, die Berge sind schon nicht mehr so hoch, aber das macht keinen grossen Unterschied, wenn es immer steil hoch und runter geht. Beim Hochfahren hatte ich ein paar Mal bedenken, dass ich gleich die Kette zerreise, schieben ist aber keine Option für mich, ich bin langsamer und brauche noch mehr Kraft. Das Runterfahren ist meistens so steil, dass ich viel der Energie abbremsen muss, sehr ärgerlich, da ich sie mir vorher mühsam erarbeitet habe. Oft gab es an der tiefsten Stelle sogar ein Tor, so dass ich komplet anhalten musste und der ganze Schwung verloren ging. So kämpfte ich mich also die Berge hoch und runter und in die Fjorde hinein und heraus. Wäre die Landschaft und das Wetter nicht so wunderschön, wär Fjord wahrscheinlich zu einem Fluchwort für mich geworden.

Eigentlich hatte ich als Übernachtung einen Campingplatz in Lyngdal vorgesehen, hauptsächlich weil ich mich auf eine Dusche freute. Weil es schon ziemlich spät war, habe ich mich für eine „kleine“ Abkürzung vom offiziellen Radweg entschlossen. Als mich die Abürzung einen sehr steilen Kiesweg runterführte, hatte ich schon eine schlechte Vorrahnung und tatsächlich kam nachher ein lächerlich steiler Anstieg (lächerlich im wahrsten Sinne des Wortes, ich konnte nur noch Lachen vor Erschöpfung). Nach der Steigung entschloss ich mich nicht mehr weiterzufahren, dass es immer noch 15km zu fahren waren und ich nicht wusste was auf mich zukommt. Also suchte ich mir einen Schlafplatz bevor die Dunkelheit kam.

Am Schluss vom Tag habe ich über 2500 Höhenmeter gemacht. Soviel ich weiss, ist das ein Rekorf für mich. Und dass auf einer Etappe, in der ich mich auf flaches Gelände eingestellt habe.

Kurz vor dem Eindunkeln kam noch ein vollausgerüsteter, einheimischer Wanderer vorbei. Er mache eine kleine Abendwanderung, für mich sah es eher nach einer mehrtägigen Expetition aus. Er klärte mich noch auf, dass meine Abkürzung berüchtigt für die steilen Passagen ist, hätte ich das vorher mal gewusst. Auf dem Rückweg kam der Wanderer nochmals bei mir vorbei und erzählte, dass er wenige Minuten nach mir auf eine  grossen Elch traf, dass ist nicht das erste Mal, dass ich das höre. Ich habe in meinen über zwei Monaten in Skandinavien keinen einzigen Elch gesehen, obwohl ich tagelang durch die Wälder fuhr und einsam, fernab von jeder Zivilisation übernachtete.

114. Tag – Ålgård – Egersund

Eigentlich wollte ich ziemlich früh am Morgen los. Daraus wurde aber nichts, da ich gestern noch ziemlich lange mit eine  Deutschen zusammen sass.

Der Weg führte mich zurück an die Küste, der ich die nächsten Tage bis Kristianssand folgen möchte. Am Anfang ging es flach und zeitweise direkt an der Küste auf kleinen Pfaden, die wahrscheinlich eher für Mountainbikes ausgelegt waren, als für mein vollbepacktes Reiservelo. Am Abend kam ich dann auf einen alten Postweg, der mich durch eine Landschaft führte, die ich mir auch auf dem Mond hätte vorstellen können. Sie war hauptsächlich geprägt von versteinertem Magma, das vor Jahrmillionen ausgetreten ist.

Unterwegs musste ich oft an die armen Pferde denken, die früher auf diesem Weg die Kutsche steil hinauf ziehen mussten. Mein Eseli (so nenne ich mein Velo, weil stur und tampfer mich und mein Gepäck über tausende von Kilometern trägt und auch die Farbe stimmt) und ich folgten dieses alten Spuren in Erfurcht.

Ganz so weit wie erhofft kam ich dann doch nicht, der knappe Schlaf in der vorherigen Nacht machte sich bemerkbar.

112. Tag – Preikestollen – Ålgård

In der Nacht hat es noch ein wenig geregent, als ich am Morgen aber Aufstand, schien die Sonne und ich hatte einen herrlichen Ausblick auf einen kleinen See. Da habe ich mir gestern im dunkeln ein schönes Plätzchen ausgesucht.

Ich stand in der Hoffnung auf, dass wenn ich mich genug früh auf die ca. 4km-Wanderung zum 604m hohen Preikestollen mache, noch nicht so viele Leute unterwegs sind. Die Hoffnung blieb aber nicht lange bestehen, als ich denn riesigen Parkplatz erstmals bei Tageslicht sah. So machte ich mich mit vielen weitere Touristen an denn Aufstieg. Der Weg wurde von Sherpas in denn Jahren 2013/14 hergerichet und an steilen Stellen mit Treppen aus Steinen versehen. Eine unglaubliche Arbeit.

Oben angelangt ist die Aussicht auf denn Lysefjord grandios und man sieht rundherum glückliche Gesichter, von Leuten die sich freuen hier sein zu dürfen. Natürlich werden auch tausende Selfies und sonstige Fotos geschossen.

Übrigens am Felsvorsprung gibt es keine Absperrungen oder Sicherheitsvorkehrungen, es ist gesunder Menschenverstand gefordert. Die norwegischen Behörden sagen, dass man nicht die ganze Natur einzäumen kann. Sehr sympatisch.

Auf dem Weg zurück zum Parkplatz kamen mir dann richtige Menschenmassen entgegen, offentsichtlich konnte ich als doch dem grössten Ansturm ausweichen. Im unteren Teil traf ich auf eine deutsche AIDA Reisegruppe, die schon ziemlich am kämpfen war („Wie weit ist es noch?“, „Das glaubt uns keiner“, „Lieber Gott im Himmel“). Ich lächelte freundlich und ging weiter ohne darauf hinzuweisen, dass die Wanderung erst gerade begonnen hat.